Gymnasium St. Ursula Dorsten
Private Schule in kirchlicher Trägerschaft

Anti-Stress-Ball-Predigt beim Einschulungsgottesdienst für die neuen 5er

(Bildquelle: Mediencenter der Evangelischen Kirche im Rheinland)

Beim gestrigen Einschulungsgottesdienst für die vier neuen 5. Klassen war die Stimmung „orange“: sowohl Kinder als auch Eltern sangen mit Feuereifer alle ausgesuchten Lieder wie z. B. das „Kindermutmachlied“ mit und waren gespannt auf den ersten Schultag. Was es mit dem orangefarbenen Anti-Stress-Ball, den alle neuen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler nach dem Gottesdienst als Geschenk bekamen, auf sich hat, erfährt man im mitreißenden Predigttext von Pfarrer Henner Maas:

Predigt des ev. Schul-Pfarrers Henner Maas beim Begrüßungsgottesdienst der Schüler der 5. Klassen am 2. September 2026

Liebe Schul-Gemeinde,

habt ihr den letzten Satz aus Davids Lied noch im Ohr?
„Ich danke dir dafür, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ (Psalm 139,14)
Das ist doch wohl stark! Ich bin wunderbar gemacht. Ich bin kein Produkt des Zufalls, keine Laune der Natur, sondern ich bin ein Gedanke Gottes, ein wunderbarer noch dazu! Gott hat mein Leben gewollt, er hat mich geschaffen und in diese Welt gesetzt. Mit diesen Eltern, mit diesem Kind. Und wir sind nicht nur einfach da, sondern wir sind sogar „wunderbar gemacht“! Ist das nicht stark?

Denkt einmal kurz über den Satz nach! Jeder Mensch, so heißt es in dem Psalm Davids, ist wunderbar gemacht. Findet ihr heraus, was an euch wunderbar ist? Gibt es etwas, was ihr besonders gut könnt? Seid ihr besonders einfühlsam oder nehmt sofort wahr, wie es anderen geht? Habt ihr einen besonderen Blick dafür, was Menschen um euch herum gerade brauchen. Findet ihr sofort gute Worte, wenn es darum geht, etwas zu erklären?
Hast du Fähigkeiten, die dich auszeichnen? Kannst du gut mit deinen Schwächen und Fehlern umgehen? Ich hoffe, jedem von euch, aber auch von Ihnen als Eltern fällt das eine oder andere ein, das an ihm, an dir wunderbar gemacht ist.

Bei Jesus heißt das, was Gott uns mit auf den Weg gegeben hat, „Talent“. Und damit sollen wir wuchern. Es soll jeder sehen können, dass ich wunderbar gemacht bin. Das klingt nach Angebertum, ist es aber nicht: Denn jeder Mensch ist wunderbar gemacht, in jedem Menschen fließt rotes Blut, jeder Mensch empfindet Leid und Glück, ist bedürftig nach Liebe und Zuneigung. Paulus nennt das, was uns als besondere Gaben mit auf unseren Lebensweg gegeben ist, „Charismen“. Übersetzt: „Gnaden-Gaben“. Oder „Geistes-Gaben“. Weil wir sie nicht uns selbst verdanken, sondern dem Wirken Gottes, was wir auch Heiliger Geist nennen.

Aber, so Paulus, sie dienen nicht dazu, dass eineR sich damit rühmen soll, damit prahlt und sich als etwas Besseres fühlt und nach außen darstellt. „Seht her, wie toll ich bin!“ Denn alle Gaben und Begabungen sind nicht dazu da, dass ein einzelner aus der Gemeinschaft heraussticht, sondern dass er sie in den Dienst der Gemeinschaft stellt.

Das „Wunderbare“, das, was andere in Staunen versetzen kann, dass soll anderen Menschen helfen, sie unterstützen, das Leben für mich und andere schön und angenehm machen. Und jeder und jede hat dazu etwas beizutragen – der eine kann das, der andere kann jenes, die andere dieses – und es gibt keinen, der nichts kann!

Ich finde, das ist eine wunderbare Botschaft der Bibel alten und neuen Testaments für diesen Tag, für diesen Gottesdienst: Du bist begabt, du kannst was! Gott hat dir Talente mit auf den Weg gegeben, die es zu entdecken und zu gebrauchen gilt. Du musst keine Angst haben vor dem, was auf dich zukommt. Nicht die Kinder, nicht die Eltern! Vertrau darauf, dass du Ressourcen hast, die dich weiterbringen, die dir Kraft und Trost und Zuversicht geben. Glaube daran! Denn du bist wunderbar gemacht!

Wenn ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, euch gleich auf den Weg macht mit euren KlassenlehrerInnen und dann in eurem Klassenraum sitzt, dann schaut euch doch ganz bewusst einmal um, schaut eure Mitschüler an und staunt, was da für Menschen mit euch zusammen unterwegs sein werden in den nächsten 9 Jahren:  Ganz viele „bunte Vögel“, alle, jede und jeder, wunderbar gemacht, so wie du selbst! Ich hoffe, dass das jeden Tag neu mit das Wichtigste werden kann, das du entdeckst, wie wunderbar andere Menschen gemacht sind, wie wunderbar du gemacht bist – und dass ihr daraus eine Gemeinschaft werden könnt, in der das Leben und das Lernen gelingen kann und Schule Spaß macht. Ja, Schule soll Spaß machen, das ist ganz wichtig, damit Lernen gelingen kann!

Vielleicht denkt der eine oder die andere jetzt: „Hat der da vorne es nicht eine Nummer kleiner? So sonnig, so rosig ist das doch alles nicht. Weiß der nicht, wie schwierig das Leben oft ist, wie schwer sich Menschen das Leben machen können, wie schwer es ihnen manchmal gemacht wird? Was ist, wenn die erste 5 unter der Klassenarbeit steht, oder manchmal reicht auch schon eine 3, um niedergeschlagen zu sein. Was ist, wenn die Klassengruppe mal wieder jemanden disst und Klassenkameraden ausgeschlossen werden? Was ist mit all den Momenten, in denen das Leben nicht rundläuft, es eben nicht wunderbar ist, alles Sonnenschein und Edelglanz?

Genau dann, sage ich, ist genau diese Botschaft wichtig: DU bist wunderbar gemacht. Das hat Gott dir gegeben – und das kann dir keiner nehmen. Verzweifle nicht, lass dich durch Rückschläge nicht aus der Bahn werfen, sondern halte fest daran, was immer auch kommt, an der Gewissheit: Du bist ein Wunder Gottes, von ihm gemacht, von ihm gewollt, von ihm begleitet. Du hast alles in dir, was du für dein Leben brauchst. Nutze deine Ressourcen, die in dir sind.

Wunderbar gemacht – das heißt aber auch: Achtsam unterwegs sein. Auf sich selbst achten und auf die anderen. Aufpassen, dass ich nicht zu viel verlange, von mir oder von anderen. Dass ich mein meinen Ressourcen haushalten kann, damit mein Akku nicht ganz leerläuft. Achtsamkeit lenkt die Aufmerksamkeit auf den Augenblick. Beides bekommt Raum: Sorgen und Ängste wie Freude und Glück.

Also, all ihr wunderbaren Menschen, klein und groß! Seid achtsam unterwegs. Achtet aufeinander, achtet auf euch selbst, überfordere niemanden, sei aufmerksam dafür, was für dich und für andere gut ist.

Ihr hättet mich falsch verstanden, wenn ich euch heute sagen würde: Es wird immer nur alles gut sein auf dieser Schule, ihr werdet immer nur glücklich und zufrieden sein und alle nur Einsen bekommen. Nein, so wird es nicht sein. Es wird auch Streit und Stress geben, Momente der Verzweiflung, Ängste und Überforderung. Aber genau dann ist es wichtig, dass ihr achtsam seid, gut auf euch und eure Mitschüler, Eltern auf ihre Kinder, LehrerInnen auf ihre Schüler achtgeben und nicht vergesst: JedeR ist wunderbar gemacht!
Am Ende des Gottesdienstes, bevor ihr in eure Klassen geht, bekommt ihr alle einen dieser orangefarbenen Bälle geschenkt. Der soll an zweierlei erinnern: Erstens: Du bist wunderbar gemacht. Deswegen die schrille Farbe! Vergiss es nie! Und zweitens: Er kann dir helfen, achtsam zu sein und Stress abzubauen, deinen Atemrhythmus zu spüren, Sorgen wegzudrücken oder hinzuspüren: Was ist denn eigentlich gerade los? Deine Reli-Lehrer werden dir einiges noch zeigen, was du mit dem Ball anfangen kannst.

Er soll dich vor allem immer auch daran erinnern, wie wichtig es ist, achtsam zu sein: Denn Achtsamkeit ist ein offener Blick für sich selbst und andere und für die Schönheit dieser Welt. Und wenn Achtsamkeit dann dazu führt, dass ich barmherzig bin mit mir und anderen, dann ist es richtig gut.

Ich wünsche euch und Ihnen allen: Es möge gut werden, es möge Gottes Segen euch begleiten.

Und der Friede Gottes, der all unsere Vernunft übersteigt, der wird eure Herzen bewahren in Christus Jesus.

Amen.